Formatierst Du noch oder schreibst Du schon?

Wer heute etwas am PC zu schreiben hat, verwendet dafür in der Regel eine Textverarbeitung wie Word oder den Writer von OpenOffice, bzw. LibreOffice. Textverarbeitungen arbeiten heute nach dem WYSIWYG - "What You See Is What You Get" Prinzip. Dies bedeutet, dass es eigentlich so aus dem Drucker kommen soll, wie es auf dem Bildschirm aussieht. 

Die Betonung liegt auf "eigentlich."

Da will man ein Dokument drucken, hat einen anderen Drucker und die Formatierungen passen nicht mehr. Ein umfangreiches Handbuch mit Grafiken und Tabellen ist plötzlich aus unerklärlichen Gründen zerstückelt. Nummerierungen verändern sich plötzlich, Grafiken stehen an anderen Positionen.

Sicher hast auch Du Deine Erfahrungen mit Textverarbeitungen gemacht. Ich hatte irgendwann, insbesondere bei der Dokumentation von Software und zu Geräten, keine Lust mehr, mich um das Layout zu kümmern. 

Ich wollte einfach nur schreiben und mich nicht damit beschäftigen, wie der Seitenaufbau ist und welche Formatierungen getätigt werden müssen, damit ein Dokument schön und gut lesbar ist. Und vor allem wollte ich, dass die Dokumente immer identisch aussehen. Ob auf dem Laserdrucker, dem Tintenstrahler, als PDF oder als HTML für die Online-Hilfe. Und das ohne das Dokument nochmals anfassen zu müssen.

LaTex lautet dazu das Stichwort. LaTeX ist eine Makroerweiterung zu TeX von Donald E. Knuth.

(La)TeX ist ein Satzprogramm, also so etwas, wie früher mit Bleilettern beim Druck von Zeitungen und Büchern verwendet wurde. LaTeX kümmert sich um die gesamte Formatierung, um den Seitenaufbau, Inhaltsverzeichnis, Tabellen- und Abbildungsverzeichnis. Mit LaTeX erzeugte Dokumente haben eine hervorragende Typographie. Bei diesem Beispiel ist das deutlich zu sehen und die Erläuterung wird mitgeliefert.

LaTeX ist unabhängig von Betriebssystem, Hardware und installierten Schriften. Das System bringt alles mit. Und das Dokument sieht immer identisch aus, egal auf welcher Plattform es erstellt wurde, egal auf welchem Drucker es gedruckt wird. Ein weiterer, wesentlicher Vorteil ist, dass die Schriften nicht für den Bildschirm, sondern für den Druck optimiert sind.

Die üblichen LaTeX Pakete kommen mit fertigen Dokumentenklassen daher. Es gibt z.B. Klassen für den Geschäftsbrief, für einen Report, einen Artikel, für Bücher und auch für Präsentationen mit einem Beamer. In das Grundgerüst fügt man mit einem beliebigen Texteditor seinen Text, die Tabellen oder Grafiken ein und LaTeX erzeugt daraus ein erstklassig formatiertes Dokument.

Die Lernkurve ist am Anfang steil. Aber es lohnt sich wirklich. Ich schreibe mittlerweile fast alles nur noch mit LaTeX, auch den einfachen Geschäftsbrief. 

Wenn Du das einfach mal ausprobieren möchtest: Für Windows wäre MikTex zu empfehlen. Dazu als Editor das TeXnicCenter und die dazu erforderliche Software. Es würde zwar jeder beliebige Editor ausreichen, aber integrierte Umgebungen wie das TeXnicCenter erleichtern insbesondere dem Einsteiger die Arbeit.

Linux (und auch die BSD) Anwender haben es wieder leichter, LaTeX ist bei fast jeder Distribution dabei. Einfach über das Paketmanagement installieren. Wenn Du die grafische Oberfläche KDE verwendest, dann solltest Du Dir Kile anschauen. Ansonsten geht auch emacs oder vi ;-). Eclipse hat auch ein PlugIn, TeXclipse. 

Für MacOS muss ich auf den Wikipedia Artikel verweisen, da habe ich zur Zeit keine Vergleichsmöglichkeiten.

Wie gesagt, die Lernkurve ist steil, man muss sich etwas damit beschäftigen. Aber als Belohnung erhält man ein System, mit dem schnell Dokumente erzeugt werden können, die auch optisch erstklassig aussehen und vor allem immer identisch formatiert sind. 

Das System wird daher auch als WYGIWYM - "What You Get Is What You Mean" umschrieben.

Der Clou an der Sache kommt jetzt: Die Dokumenterstellung läßt sich auch automatisieren. Du hast ein wichtiges Fax zu versenden, bist aber unterwegs. Du zückst Dein Smartphone, schreibst eine Mail, schickst diese an Deinen Mailserver. Dieser leitet die Mail an einen Prozess weiter, der den Text extrahiert, in eine LaTeX Klasse einsetzt und ein PDF erzeugt. Dieses PDF wird Dir wieder per Mail zugestellt, Du kontrollierst es und sendest es an den Faxserver weiter. Und schon hast Du ein Faxdokument vom Smartphone erzeugt, mit Firmenlogo und allem was dazu gehört. Noch Fragen?  Dann schau hier

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